
Hanspeter Dähler
Schaalgasse 9
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Aktuelle Ausstellung / Recent Show: Susan Hodel, Carles Valverde Susan Hodel Fuge 3 Aquarelle Carles Valverde Skulpturen 21. August - 3. Oktober 2010 |
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| Susan Hodel Fuge 3 Susan Hodels Kunst besitzt ausgeprägte selbstreferenzielle Züge. Seit Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit Anfang der 1990er Jahre macht sie die Komponenten der bildkünstlerischen Gattungen zum Thema ihrer Werke. Das Verhältnis zwischen Träger, Zeichnung und Bemalung stellt sie so zur Disposition, dass bei jedem Werk dessen dreifacher Charakter als Objekt, Zeichnung und Gemälde zum Ausdruck kommt, unabhängig davon, ob es sich um ein Geflecht aus Weissblechstreifen, ein zerschnittenes, zusammengenähtes und bemaltes Baumwolltuch, ein lackiertes Stahlband, eine Grafitzeichnung, ein Leinwandbild oder eben um Aquarelle handelt, deren Gattungszugehörigkeit - Zeichnung oder Malerei? - sowieso nicht entschieden ist. Ausgangspunkt ihrer Recherchen ist ein weit gefasster Begriff von Zeichnung. Sie versteht darunter etwas Fundamentaleres als das Ziehen einer Linie auf einer Oberfläche. Zeichnen heisst für sie das Bestimmen von Proportionen, das Teilen und Ordnen von Fläche und Raum. Konsequenterweise verwendet sie denn auch ein stark reduziertes formales Repertoire aus Linien, Streifen sowie Gittern oder Rastern. Sie stellen das notwendige grafische Minimum dar, um aus einer Bildfläche eine Komposition, eine Zeichnung oder ein Bild zu machen, ohne aber zugleich Sujet oder Symbol mit narrativem Potenzial zu sein. In den letzten Jahren hat sich Susan Hodel zwar einer traditioneller anmutenden Leinwandmalerei zugewendet, die der Farbe ein grösseres Gewicht zugesteht, die Fragestellungen und das formale Spektrum haben sich jedoch nicht grundsätzlich geändert; auch den Ölbildern und den seit kurzem entstehenden Aquarellen liegen parallele Linien, Streifen und rektanguläre Netze als grafische Struktur zugrunde, auch bei ihnen thematisiert Susan Hodel das Verhältnis von Bildträger und Malschicht. Die Blätter ihrer jüngsten Werkgruppe «Fuge 3» setzen diese Linie fort. Ihre unmittelbaren Vorläufer besitzen sie, was den Titel betrifft, in zwei Arbeiten von 2001 und 2002, «Ready mades» aus eingefärbten Schlangenhäuten, die über Gemäldechassis gespannt sind. Sie weisen ein charakteristisches Streifenmuster auf, das wie das Thema einer musikalischen Fuge in stets neuen Abwandlungen wiederkehrt. Näher, auch zeitlich, stehen ihnen sechs Aquarelle mit dem Titel «Vertige» von 2008/2009, die sowohl hinsichtlich Format, Material und Technik als auch der Komposition mit den hier gezeigten Arbeiten übereinstimmen. «Fuge 3» ist eine - noch nicht abgeschlossene - Serie von 24 Gruppen zu je fünf Blättern. Ihre Anlage ist wie ihr formales Gerüst strikt rational: Bei allen Blättern besteht die Palette aus den fünf Farben Sepia, Lasurgelb, Tinte, Chinaweiss, Manganblau, die nacheinander formatfüllend aufgebracht werden. Innerhalb der Fünfergruppen wechselt die Reihenfolge des Auftrags von Blatt zu Blatt systematisch, so dass jede Farbe einmal als erste, zweite, dritte, vierte und fünfte Schicht verwendet wird bzw. die oberste Farbe des ersten Blattes wird beim nächsten zuunterst aufgetragen, die oberste des zweiten wird zur untersten beim dritten Blatt usw. Das regelmässige Rotationsprinzip funktioniert nicht nur innerhalb jeder einzelnen Gruppe, sondern über die Gruppen hinweg, bis die Serie mit dem Blatt 120 ihren mathematisch logischen Abschluss finden wird. Die rationale, konzeptuelle Anlage der Serie bildet den Rückhalt für die Entfaltung einer nicht vorhersehbaren koloristischen Vielfalt. Susan Hodel wählte die fünf Farbtöne nicht aufgrund theoretischer Überlegungen aus, sondern allein nach ihrer persönlichen Vorliebe und aus Neugier für die Wirkungen der wechselnden Kombinationen. Die disparate Materialität der Pigmente, ihre Transparenz oder Opazität und die unterschiedlichen Abfolgen des Auftrags ergeben ganz ungewohnte, reiche Farbklänge. Diese meist sonoren erdigen, moosigen oder wasserähnlichen «Grundklänge» werden durch hellere, ungemischte Farbreminiszenzen aus den unteren Schichten begleitet und belebt. Susan Hodel trägt die Wasserfarben mit feinem Pinsel von links nach rechts wie beim Schreiben - während des Malens liegt das Blatt als Querformat vor ihr - in einzelnen, senkrechten Streifen auf, die sich nicht überall präzis decken. Es entstehen unregelmässige Ränder und Partien mit unterschiedlichen Farbsättigungen. Die Wiederholung des Identischen führt zwangsläufig zu Abweichungen im Raster, zu anarchischen Elementen im Ordnungsgefüge des filigranen Streifenmusters. Es wird durch die für Aquarellmalerei unorthodoxe, beinahe plastische Dichte der vielschichtigen Farbe, die das Resultat eines zeitaufwendigen Malprozesses darstellt, gleichsam als Stratigrafie der investierten Arbeit und Zeit erfahrbar gemacht. Wie in den meisten Arbeiten Susan Hodels ist in den Blättern von «Fuge 3» die manuelle Ausführung mit ihren Unwägbarkeiten integraler Bestandteil des Konzepts. Das selbstverständliche Nebeneinander von Systematik und spielerischer Abweichung, von handwerklicher Sorgfalt und Nonchalance hinsichtlich des Verhaltens der eingesetzten Mittel, von Konzept und Sinnlichkeit stellt eine Konstante in der Kunst von Susan Hodel dar. Franz Müller, Juli 2010 |
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| Carles Valverde Skulptur Im Zeichen einer intuitiven, doch präzisen Geometrie, in scheinbarer Strenge und realer Kargheit - der Kargheit einer Welt aus Geraden, scharfen Winkeln und glatten Flächen - setzt Carles Valverde seine Plastiken fort. Die Kombinationen im Raum, die spürbare Sinnlichkeit der Materialien und das Licht sind die Variablen, mit denen die Prinzipien in Schwingung versetzt werden. Die Plastik in patiniertem oder oxydiertem Stahl orientiert sich an den Hauptachsen von Horizontalität und Vertikalität, indem sie Boden und Wände zu ihren Anhaltspunkten macht; sie entwickelt sich, dehnt sich in der Materie aus, bringt Blöcke hervor oder erhebt sich auf Stäben, hält inne. Bei den ausgeschnittenen Stahlelementen schafft das Auge einen Rahmen und bezieht die Umgebung, die Natur oder die weisse Wand, ergänzend mit ein. Ihrem Massstab gemäss lassen die kleinen Plastiken eine Aufforderung an den Betrachter ergehen; er kann zwei massive Stahlblöcke bewegen und unter unzähligen denkbaren Formen eine vorübergehende und persönliche Präsentationsweise finden. Die grossen Plastiken - in den Himmel weisende Stelen, auf dem Boden ausgebreitete Kuben oder architektonische Elemente, die sich von der Wand lösen - lassen sich nicht mehr verändern; jede scheint aber auf einer Entscheidung zu beruhen, die im Lauf einer steten Entwicklung getroffen wurde. Und jede ihrer Seiten bietet einen anderen Anblick, indem der wechselnde Ausschnitt den umliegenden Raum in einer neuen Einstellung darbietet. Wie die Formen sind die Definitionen nicht starr; die Präsenz der Werke von Carles Valverde hängt stets vom Umraum ab, zu dem sie in Beziehung stehen. Denn was fest geformt ist, verwandelt sich, was fest definiert ist, stellt sich in Frage; Beweglichkeit ist eine Möglichleit der Stellungnahme in den Kraftlinien des Werkes von Carles Valverde. Marie Aymon, Fondation Louis Moret, Martigny, 2005 |
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