Hanspeter Dähler
Schaalgasse 9
CH-4500 Solothurn
tel +41 (0)32 621 38 58

Öffnungszeiten (nur während Ausstellungen)
Mi / Do / Fr 14 -18.30 Uhr
Sa 11 -13 / 14 -17 Uhr
und nach Vereinbarung


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Johannes Nagel

Grabungen

2014, Porzellan

verkauft / sold

Collection Musée Ariana, Genf, CH

Grabung

2013, Porzellan

h 37 cm

verkauft / sold

bunt I

2014, Porzellan

h 44 cm

Kristallisation / blaurand

2013, Porzellan

h 60 cm

verkauft / sold

Anti-Triangulation

2013, Porzellan

h 53 cm

stachelig

2014, Porzellan

h 47 cm

spiral

2015, Porzellan

h 37 cm

Farben

2015, Porzellan

h 52 cm

gruen

2011, Porzellan

h 22 cm

Archetyp

2010, Porzellan

h 14 cm

1979 in Jena geboren
2001 Töpferausbildung bei Kinya Ishikawa in Val-David, PQ Kanada
2002-2008 Studium im Fachbereich Plastik/ Keramik bei Prof. Antje Scharfe, Karl Fulle und Martin Neubert an der HKD Burg Giebichenstein in Halle
2005 - 2006 Arbeitsaufenthalt im Shigaraki Ceramics Cultural Park, Shigaraki, Japan
2007 Studienaufenthalt an der Ohio University in Athens, Ohio, USA
Seit 2008 Werkstatt/Atelier in Halle
2008 Diplom der Bildenden Kunst/Keramik an der HKD Burg Giebichenstein in Halle
2009 Graduiertenstipendium der HKD Burg Giebichenstein in Halle
2009 Scotish Arts Council Crafts Residency in Cove Park, Schottland

DER RAUM, DIE GREIFENDE BEWEGUNG
Keramische Schutzhüllen, greifbare Gefäße, erfassbare Räume, verbeulte Behältnisse, unerklärliche Vorratsspeicher - die Formen sind immer sprechende Objekte, kenntlich als Vasen, Flaschen, Bottiche, Fässer, Schläuche.
Nur der selbsterklärende Verwendungszweck wird nicht mitgeliefert. Das sind nicht einfach nur Aufbewahrungsobjekte aus Porzellan. Es sind Behälter mit offensichtlicher Individualität und in Maßen rätselhaft. Sie sind raus aus der Zeit. Die Gefäße assoziieren archaische Gerätschaften oder den Nestbau mit groben Wandverschmierungen in natürlichen Höhlungen. Sie erinnern an Naturformen, an sezierte und fest konservierte Organe oder große gepanzerte Früchte mit harten Schalen.
Die porzellanen Ab- und Ausgüsse sind Umformungen des Lebendigen, der Bewegung, ein gestisches Umgreifen der Hohlform. Alles ist in scheinbarer Unwucht verschoben. Die Objekte sind mit kalkiger Haut ummantelt, die Glasuren von tiefen Krakele durchzogen. Die Oberflächen zeigen sich schrundig, rissig und stumpf. Farbnasen laufen über verwischte Bemalungen, selten schimmern fragmentarische Ornamente durch.
Kein Beiwerk, nichts Dekoratives - diese Keramik ist lebendig und fordernd. Das sind Anmaßungen, nicht nur räumlich, auch mit zeitlich einzuhaltenden Mindestabständen. Keramiken als mobile meditative Räume, Denkgefäße, Ideenbehältnisse, ausgestülpte Höhlen als Vorratsbehälter.
Johannes Nagel zeigt den Missing Link, die Verbindung zwischen der gedrehten und der gebauten Keramik, eine freihändige Architektur. Die negative Sandburg ist die Höhle. Nagel gräbt in das Sediment statisch grenzwertige, nicht einsehbare Bauten, nur zu erfühlende Formen. Die greifende Hand vollzieht eine einfache Drehung, eine abgebrochene Rotation, nur ein Schwung, ein einmalig gezeichneter Bogen, kein Kreiseln, nur halbe und viertel Pirouetten. Die ausgegriffenen Höhlengänge werden formstabil ausgegossen. Die Bewegung des nachvollziehbaren Handgriffes wird in dem gebrannten Gefäß verständlich gespeichert. Der fluide Zustand findet in der erstarrten Bewegung die Balance.

Rüdiger Giebler, 19. Februar 2014
SPACE, THE GRABBING MOTION
Ceramic slipcovers, tangible vessels, palpable spaces, battered tanks, inexplicable storage containers-the forms are invariably objects that speak, recognisable as vases, bottles, tubs, vats, barrels or hosepipes.
The only thing missing is their self-evident purpose. These are not simply container- objects made of porcelain. They are receptacles of obvious individuality and moderate mysteriousness. They have left time behind. The vessels associate archaic instruments or nest-building with rough smudges along the walls of natural cavities. They recall natural forms, dissected and firmly preserved organs or the hard shells of big loricated fruits.
The porcelain casts and grouts are transformations of living things, of motion, a gestic encompassing of the counter die. Everything is shifted in apparent imbalance. The objects are coated in a chalky skin; the glazes are rutted by craquelure. Surfaces appear chapped, cracked and dull. Drips of paint run across blurred paintings, fragmentary ornaments shimmering through on rare occasions.
No accessories, no decorations-the ceramics are imperiously alive. They are procacities, demanding that we observe minimal distances not only spatially but also temporally. Ceramics take on the role of mobile meditative spaces, vessels of thought, receptacles of ideas, everted caverns as reservoirs.
Johannes Nagel exposes the Missing Link, the connection between the wheel- thrown and hand-constructed ceramics, a free-handed architecture. The negative sand-castle is the cave. Nagel digs statically precarious, inscrutable buildings into the sediment that we can only sense. The grabbing hand performs a simple turn, an aborted rotation, a mere swing, an arc drawn only once, no spin, just half or quarter pirouettes. The excavated passages are cast, dimensionally stable. The motion of the replicable manoeuvre is stored intelligibly in the burned pot. The fluid state finds balance in the congealed motion.
Rüdiger Giebler, February 19, 2014